Vom Katerfrühstück zum Kultgericht: Louisvilles Hot Brown wird 100 Jahre alt. Doch das legendäre Sandwich ist nicht die einzige Spezialität, die Reisende in der Stadt am Ohio-River unbedingt probieren sollten.
Louisville/Hannover – 26. Februar 2026 (kms) | Gerösteter Truthahn, knuspriger Speck, frische Tomaten, sowie eine cremige Mornay-Sauce auf zwei Scheiben Toastbrot – und das alles überbacken mit einem kräftigen Pecorino-Käse: Die Zutaten für das Hot Brown sind einfach. Doch das Sandwich aus Louisville in Kentucky, das vor 100 Jahren erfunden wurde, ist legendär. Das liegt auch daran, wie es einst entstand.
Im Herbst 1926 wurde es im The Brown Hotel , erstmals serviert. Das 1923 erbaute Hotel, das sich noch heute im Theaterviertel der Südstaatenmetropole befindet, war damals ein beliebtes Ziel von all jenen, die gern die Nacht zum Tag machten. Während der goldenen Zwanzigerjahre, der Roaring Twenties, lockte es vor allem an den Wochenenden all die Menschen an, die in schicken Perlenkleidern und Smokings im Crystal Ballroom bis in die frühen Morgenstunden gern den Charleston tanzten. Denn im Brown Hotel soll trotz Prohibition auch Alkohol im Überfluss geflossen sein.
Die Entstehung eines Klassikers
Am Ende einer dieser Nächte zog es die Feiernden auf der Suche nach etwas Essbarem in die Hotelküche. Aus den Resten, die noch vom Abend zu finden waren, kreierte Chefkoch Fred K. Schmidt ihnen ihr Katerfrühstück. Das kam gut an. Und die Neuigkeit vom „neuen heißen Sandwich des Brown Hotels“ („the Brown Hotel’s new hot sandwich“) verbreitete sich bald in der ganzen Stadt. Ebenso schnell entstand der Name Hot Brown. Und das Sandwich wurde zu einem absoluten Kultgericht, das heute ebenso zur Kultur von Louisville gehört wie Bourbon und das Kentucky Derby.
Selbstverständlich steht das Hot Brown noch heute auf der Karte des Brown Hotels – und wird auf die gleiche Art zubereitet wie damals. Fans des Hot Brown finden das Originalrezept auf der Website des Hotels und in dessen historischem Lobby-Bar-Restaurant.
Vom Original bis zur kreativen Neuinterpretation
Viele lokale Köche interpretieren inzwischen den Klassiker mit köstlichen Variationen neu. Von Hot Brown Pizza (erhältlich bei Lou Lou Food + Drink ) bis Veggie Brown (erhältlich bei The Goose Eatery & Hangout ) – kreative Variationen finden sich auf vielen Speisekarten. Zum fünften Mal widmet die Stadt ihrer Spezialität in diesem Jahr im Oktober ganz offiziell die Hot Brown Week. Dann locken viele Restaurants mit besonderen Hot-Brown-Specials.
Das Hot Brown ist längst nicht die einzige Spezialität, die es bei einem Besuch der Metropole am Ohio River zu probieren lohnt. Die Stadt ist ein Schmelztiegel traditioneller Südstaatenküche, die Gastfreundschaft und Geschmack gleichermaßen zelebriert.
Geschmack mit Geschichte: Eintopf, Huhn und Austern aus Kentucky
Was könnte besser dafürstehen als der Burgoo? Das ist ein traditionsreicher Eintopf, der ursprünglich bei Zusammenkünften von vielen Menschen in riesigen Kesseln über offenem Feuer gekocht wurde. Er besteht aus verschiedenen Fleischsorten (Rind, Schwein, Huhn oder Lamm) mit Gemüse wie Mais, Bohnen, Okra, Kartoffeln und Tomaten und wird deftig mit Salz und Pfeffer, Lorbeerblättern, Paprika, Worcestershire-Sauce sowie etwas Essig und Zitronensaft gewürzt. Wegen seiner langen Garzeit hat er eine fast chiliartige Konsistenz. Chili und Cayennepfeffer kommen aber eher sparsam zum Einsatz. Der Mark’s Feed Store in Louisville ist eine gute Adresse, um den Burgoo zu probieren.
Natürlich ist auch das berühmte Kentucky Fried Chicken, also Hähnchenteile, die in Buttermilch mariniert, dann paniert und goldbraun frittiert werden, ein Klassiker, der in vielen Variationen auf den Speisekarten der Stadt zu finden ist (besonders gut bei Lucretia’s Kitchen ). Wer will, erweist in der Stadt auch dem König des Fried Chicken die Ehre: Auf dem Cave Hill Cemetery hat der Gründer von KFC, Colonel Harlan Sanders, seine letzte Ruhe gefunden.
In Louisville gibt es aber noch eine weitere frittierte Spezialität: die Rolled Oyster. Dabei handelt es sich um drei rohe Austern, die in einen Bierteig getaucht werden, anschließend in Crackerbrösel gerollt und dann ausgebacken werden. Die gerollten Austern wurden Ende des 19. Jahrhunderts von dem italienischen Einwanderer Phillip Mazzoni und seinen Brüdern als kostenlose Beilage zu Bier oder Whiskey in ihrem Saloon angeboten. Heute servieren sie zum Beispiel das Restaurant The Hungry Pelican oder Check’s Café .
Süße Verführungen: Derby Pie und Modjeskas
Und wenn es lieber etwas Süßes sein darf? Dann sollten Stadtbesucher den Derby-Pie® kosten. Der offizielle Pie des berühmten Kentucky Derbys ist eine reichhaltige Schokoladen-Walnuss-Torte mit knusprigem Teigboden und saftigem, süßem Kern, oft mit leicht karamellisiertem Geschmack. Er wurde in den 1950er-Jahren bei Kern’s Kitchen erfunden, die ihn heute bereits in vierter Generation backen.
Es lohnt sich aber auch, die Modjeskas zu probieren – etwa von Muth’s Candies . Diese Süßigkeit aus Marshmallow und Karamell wurde in den 1880er-Jahren von einem lokalen Süßwarenhersteller zu Ehren seiner Angebeteten, der polnischen Schauspielerin Helena Modjeska, die zu Besuch in der Stadt war, benannt. Erfunden wurden sie natürlich in Louisville














